Die Bundeswehr hat ihre Bewertung des Risikos russischer Sabotage verschärft. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums bestätigte am 21. Oktober nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur, dass die Bedrohung inzwischen als erheblich eingeschätzt werde. Zuvor hatten WDR und Süddeutsche Zeitung über eine interne Lageeinschätzung berichtet. Drohnenfund als Hintergrund Nach der WDR-Recherche wurde Mitte September nahe dem Fliegerhorst Wunstorf eine offenbar abgestürzte Drohne gefunden. In ihrer Nähe sei auch Sprengstoff entdeckt worden. Der Bericht beschreibt Ähnlichkeiten zu einer Drohne, die bei einem früheren Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle eingesetzt worden sei. Diese Angaben sind Bestandteile der veröffentlichten Recherche. Die zugrunde liegenden Ermittlungsakten und das vollständige interne Papier sind nicht öffentlich überprüft. Die Ähnlichkeit von Gegenständen ist zudem für sich allein kein abschließender Nachweis gemeinsamer Urheber. Ministerium prüft Schutzmaßnahmen Der von dpa zitierte Ministeriumssprecher erklärte, eine Ausweitung von Schutzmaßnahmen werde geprüft. Die Überprüfung sei Teil eines fortlaufenden Prozesses. Auch das Operative Führungskommando bestätigte gegenüber WDR die erhöhte Risikobewertung. Reuters griff die Einstufung ebenfalls auf und verwies dabei auf die ursprüngliche deutsche Recherche. Mehrere Veröffentlichungen über dasselbe interne Papier bedeuten daher nicht, dass jede darin enthaltene Einschätzung unabhängig durch weitere Ermittlungen bestätigt wurde. Risikobewertung und Verantwortlichkeit trennen Die Bundeswehr sieht nach den Berichten eine Gefahr für Kräfte und Einrichtungen in Deutschland. Die verschärfte Einstufung beschreibt ihre Einschätzung von Fähigkeiten und Absichten möglicher Angreifer. Sie belegt keinen bereits feststehenden neuen Anschlag und keine gerichtliche Klärung der Verantwortung für einzelne Vorfälle. Welche konkreten zusätzlichen Maßnahmen beschlossen werden und welche Ergebnisse laufende Ermittlungen liefern, ist weiterhin offen.